Warum wir Wein von 0 bis 100 Punkten bewerten
Warum Vinum Conventus Wein von 0 bis 100 Punkten bewertet – Herkunft der Skala, unsere Punktestufen und weshalb bei uns nie eine einzelne Person allein urteilt.
Am Ende jeder Verkostung steht bei uns eine Zahl. Nicht, weil wir Wein auf eine Ziffer reduzieren wollen – sondern weil diese Zahl eine gemeinsame Sprache ist, mit der wir uns untereinander, aber auch mit euch, verständigen können. Zeit, einmal zu erklären, woher diese Skala kommt und warum sie für uns die richtige Wahl war.
Eine Skala mit Geschichte
Die 0- bis 100-Punkte-Skala ist keine Erfindung von uns – und auch nicht von einem einzelnen Weingut oder Magazin. Bekannt wurde sie vor allem durch den amerikanischen Weinkritiker Robert M. Parker Jr., der ab 1975 unabhängige Weinkritiken zu schreiben begann und dafür 1978 seinen eigenen Newsletter, den Wine Advocate, gründete – finanziert allein durch seine Leser, nicht durch Anzeigenkunden aus dem Weinhandel. Seine Idee, Qualität in Schulnoten von 0 bis 100 auszudrücken, lehnte sich bewusst an ein Prinzip an, das ohnehin jeder kennt: das amerikanische Notensystem. Genau das machte die Skala so anschlussfähig – man muss kein Sommelier sein, um zu wissen, dass 95 Punkte etwas anderes bedeuten als 82.
Heute arbeiten die meisten großen Weinpublikationen weltweit mit einer Variante dieses Systems – von der Wine Spectator bis zu Vinous. Wer sich mit Wein beschäftigt, kommt an dieser Zahlenlogik kaum vorbei.
Unsere Punktestufen
Damit klar ist, was die Zahl hinter einem unserer Weine bedeutet, orientieren wir uns an folgender Einteilung:
PunkteEinordnung95–100außergewöhnlich – ein Wein für die Erinnerung90–94hervorragend85–89sehr gut80–84gutunter 80solide bis enttäuschend
Warum wir uns dafür entschieden haben
Als Bruderschaft mit Bildungsauftrag war uns wichtig, dass unsere Bewertungen für alle nachvollziehbar sind – für uns selbst genauso wie für alle, die unsere Notizen lesen, ohne selbst am Tisch gesessen zu haben. Ein System, das ohnehin international etabliert ist, erfüllt genau das:
Vergleichbarkeit. Wenn wir einen Wein mit 91 Punkten bewerten, könnt ihr das sofort einordnen – auch im Verhältnis zu dem, was ihr vielleicht schon aus anderen Weinführern kennt.
Feine Abstufung. Anders als bei Sternen oder Schulnoten mit wenigen Stufen erlaubt uns eine 100er-Skala, auch kleine Qualitätsunterschiede zwischen zwei sehr guten Weinen sichtbar zu machen.
Vertrautheit. Niemand muss unser System erst lernen. Genau das war uns wichtig, da wir mit unseren Bewertungen nicht nur untereinander, sondern auch nach außen kommunizieren – an Winzerinnen und Winzer, an Gastronominnen und Gastronomen, an alle Interessierten.
Wie wir die Skala für uns nutzen
Wir übernehmen dabei bewusst nicht Parkers gesamte Methodik. Er zerlegt seine Bewertung in feste Unterkategorien – etwa separate Punktebudgets für Farbe, Aroma, Geschmack und Reifepotenzial. Wir dagegen beurteilen Aussehen, Duft, Geschmack, Abgang und Gesamteindruck als Ganzes, ohne starre Aufteilung. Für uns zählt der stimmige Gesamteindruck eines Weines, nicht eine buchhalterische Addition von Einzelwerten.
Der wichtigste Unterschied liegt aber woanders: Bei uns bewertet nie eine einzelne Person. Jeder anwesende Weinbruder gibt seine Punktzahl unabhängig ab, bevor überhaupt diskutiert wird. Erst danach bilden wir den Durchschnitt – und nur dieser wird veröffentlicht, gerundet auf ganze Punkte. Einzelbewertungen bleiben intern. So verhindern wir, dass die Meinung eines Einzelnen – und sei er noch so überzeugt von seinem Urteil – unser gemeinsames Ergebnis dominiert.
Das ist für uns kein technisches Detail, sondern gelebte Ehrlichkeit: Eine Bewertung soll aufrichtig sein und möglichst viele Perspektiven abbilden, nicht den Geschmack einer einzelnen Person zum Maßstab erheben.
Eine Zahl, viele Abende dahinter
Wenn ihr also das nächste Mal bei uns eine Punktzahl lest – ob 96 bei einem Wein für die Erinnerung oder 82 bei einem soliden Alltagswein – steckt dahinter kein einzelnes geschultes Gaumenurteil, sondern ein ganzer Abend voller unabhängiger Eindrücke, ehrlicher Diskussionen und gemeinsamer Neugier. Genau das macht für uns den Unterschied.